Jetzt, einer Woche (und einen Tag) nach der OP, schreib’ ich mal etwas davon, wie das so ist, wenn man seine Tonsillen los wird.
Man sagt bei meinem behandelnden Arzt, dass man sich morgens um 7.00 Uhr beim Krankenhaus anmelden sollte. “Keine Minute später! Und kommen Sie ja nüchtern! Das heißt: Nichts zu essen, nichts trinken, keine Zigaretten. Haben Sie das so verstanden?” – “…ja, hab’ ich. Ich weiß, was nüchtern bedeutet xD”
So gab es sich also, dass ich mein Haupt schon um 5.45 Uhr aus dem Bett erhob, um es unter der Dusche mit Wasser berieseln zu lassen und mit Duschgel sauber zu waschen. Ich ahnte ja nicht, wie gut es mir ging.

Schon um 6.40 Uhr war ich im Krankenhaus aufgenommen und durfte mein Zimmer betreten. Darin lag ein 90 Jahre alter Mann, den niemand so alt geschätzt hätte. Die Schwester sagte zu mir, dass ich mich schonmal häuslich einrichten sollte, denn später sei ich dazu nicht fähig. Danach solle ich mich etwas sedieren und warten, bis die ersten Medikamente kämen.
Also zog ich meine Jacke aus, legte meine Wertsachen in das per 2 Euronen Pfand verschließbare Kästchen und platzierte alles da, wo ich es für richtig hielt. Währenddessen bekam der ältere Herr sein Frühstück und bewies mir unbewusst, für was für eine Sensation er es hielt, jetzt endlich einen Zimmernachbarn bekommen zu haben. Ich klärte ihn über sein Glück auf; denn schließlich wäre ich normalerweise auf eine andere Station gekommen, auf welcher aber gerade Umbaumaßnahmen stattfinden. Das fand er super. Glücklich wie er jetzt war genoss er sein Frühstück unter lautem Schmatzen; unterdessen testete ich die Schalldichtheit meiner Kopfhörer. Das sollte mir später noch eine immense Hilfe sein.

Nach etwa eineinhalb Stunden gaben sie mir dann zwei Tabletten und die heiße Operationskleidung, die ich erst anziehen sollte. Dann nahm ich die Tabletten und durfte nichtmehr aus dem Bett aufstehen.
Man schob mich in den Vorraum des 5. Operationssaals, wo ein Anästhesist (seltsamerweise nicht der, mit dem ich am Vortag gesprochen hatte) schon auf mich wartete. Wir kamen ins Gespräch. Aber irgendwas war anders als sonst; die Tabletten schienen zu wirken.
“Guten Morgen! Haben Sie denn schon Angst?”
“Wovor Angst? Ich freu’ mich drauf. Nie wieder entzündete Mandeln ist doch was feines.”
“Na gut, wenn Sie meinen. Ich setz’ ihnen mal den Zugang. Dazu bräuchte ich aber Ihre Hand…”
“Okay, hier *Arm rüberhalt*”
“Oh, sie haben aber schöne Venen mitgebracht.”
“Was?”
“Sie haben schöne Venen mitgebracht!”
“Ich halte das jetzt aber für eine schlechte Anmache. Wieso eigentlich?”
“Na die kommen so schön schnell. Huch, jetzt ist sie mir davongerollt. Ich bitte um Entschuldigung *Blut wegwisch*”
“Macht nix. Ist mir eh egal. Sind Sie hier eigentlich nur der Idiot, der jedem einen Zugang legen muss, bevor er da reinfährt? Machen Sie das den ganzen Tag?”
“Ich bin in der Anästhesie tätig. Wir sind dafür verantwortlich, dass Sie gute Träume haben. Haben Sie sich denn schon einen Traum ausgesucht?”
“Ich wüsste nicht, was ich da träumen könnte… Schlagen Sie mal was vor.”
“Na Sie könnten ja von schönen Insellandschaften träumen, von der Karibik zum Beispiel”
“Hey cool, da wollt’ ich eh schon lange mal hin. Wissen Sie, mir ist das nämlich allgemein viel zu teuer. Ich geb’ ungern so viel Geld für einen Urlaub aus…”
“Na gut, aber dafür träumen Sie doch davon *g*”
“Sie haben Recht. Aber ich glaube ich lasse mich überraschen.”
“Das ist auch nicht schlecht. (in den OP:) Seid ihr denn bald fertig?”
“(aus dem OP:) Ja, mir hom’s glei’! Mach’ schonmeu Blotz!”
Er klappt meinen Arm zur Seite und ich sehe zu, wie das Mädchen, das vor mir operiert wurde, an mir vorbeigeschoben wird. Der Anästhesist weist mich darauf hin, dass dies der einzige Operationssaal ohne gesonderten Ausgang ist. Ich gratuliere ihm (?) und lasse mich drüber aufklären, wieviele Operationen täglich im Krankenhaus stattfinden. Ich staune trotz LMAA-Tablette Bauklötze, als er 50 sagt. Während unseres kleinen Gespräches wurde der Saal kurz durchgewischt.
Dann geht es los. Man fährt mich rein und schließt mich an die Geräte an; ich lasse es mit mir machen und finde die warme Luft angenehm, die mir unter die grüne Decke geblasen wird. Ich blicke nach links und sehe, wie der Anästhesist eine Spritze vorbereitet, die er mir sogleich an den Zugang ansetzt. Rechts von mir sagt eine Frau, dass ich, wenn die Maske kommt tieeeef durchatmen und ihr bescheidgeben soll, wenn ich etwas merken würde. Der Anästhesist drückt mir die Spritze rein und ich merke sogleich, wie die Lichter über mir unscharf werden. Ich kriege noch eine Spritze, kann (schon total zugedröhnt) gerade noch “boah, jetzt geht’s los” sagen und bin weg.

Ein lautes Piepen weckt mich. Ich sehe mich um und stelle gerade so fest, dass ich mich im Aufwachraum befinde. Über mir ist ein Monitor, der mir zeigt, warum es gerade piept. Mein Puls sei unter 48, das Gerät findet das nicht okay. Also bewege ich mich etwas und mein Puls steigt wieder. Ich schlafe wieder ein. Gefühlte Sekunden später das gleiche Problem. Ich sage: “Kann jemand gerade mal das Limit von meinem Puls weiter runterstellen? Das Teil nervt nämlich” – eine weibliche Stimme antwortet: “Sind sie Extremsportler?” – “Ehm, nö.”
Eine Ärztin verstellt irgendwas am Monitor, jedoch verändert sich die Problemlage nicht wesentlich. Ich schlafe wieder ein und wache erst wieder auf, als man mich aufs Zimmer bringen will.
Den restlichen Tag verpennte ich (was mich sehr gewundert hat, bei den Geräuschen, die mein Bettnachbar so von sich gab -.-).

Den Rest der Woche war ich eigentlich damit beschäftigt, meine Schmerzmittel zu nehmen und die Zeit totzuschlagen. Dank des Powerrentners in meinem Zimmer hatte ich genug Action (auch dann, wenn ich keine benötigte – z.B. nachts). Zum Schluss hab’ ich ihn dann öfters mal beim Nachtdienst verpetzt, weil er mir tagelang den Schlaf geraubt hatte und dann -verbotenerweise- allein aufgestanden ist. Dem Ärger zuzuhören stellte mein Gemüt aber nur zur Hälfte ruhig. Die andere Hälfte übernahm sein Fäkalfeuerwerk, welchem ich jeden Tag aufs Neue von meinem Logenplatz aus lauschen durfte. Man stelle sich hierbei ein gequältes Stöhnen vor, dem ein lauter Furz und eine Explosion des butterweichen, allem Anschein nach brennenden Stuhls folgt. :D
An alle, die mich im Krankenhaus besucht haben: Vielen Dank, Ihr habt mir echt geholfen! Sonst wär’ ich da drin noch vor Langeweile eingegangen :/

Seit ich aus dem Krankenhaus raus bin beschäftige ich mich eigentlich nur mit Dingen, zu denen ich sonst nie kommen würde. Dazu zählen:
-Super Mario Land 2 (schwarzweiß, GameBoy) auf meinem 32″-LCD spielen
-Im Internet Dinge suchen, die mir sonst zu sinnlos wären (->Informationen zur Abwrackprämie)
-Herrn Anbaumer beim Beginn seiner neuen Präsidentschaft zugucken

Nach aktuellem Stand werde ich wohl noch zwei Wochen schwach bleiben müssen. Danach geht’s wieder an den Speck!

21. Januar 2009, 15:11 Uhr

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