Wenn man morgens im Bett liegt, rührt das ja meist von der wohligen Wärme, die unter der Bettdecke herrscht. Ist ja verständlich. Wenn man jedoch nicht aufstehen kann, weil eben diese Bettdecke am Rest der Wäsche festgefroren ist, ist irgendetwas schief gelaufen.

“Greift man dann doch zum Pickel, weil die Zeit langsam drängt, erwartet einen im Bad eine Überraschung horrenden Ausmaßes. Wie mich zum Beispiel. Nachdem ich aus der Dusche gestiegen war, überzog mich eine Eisschicht, die ich gerade noch abschütteln konnte. Als ich dann aber einen Strahl gelben Eises in die Schüssel stellte, hatte der Spaß ein Ende”,

erklärt uns der in den Staaten als Hiphop-DJ und Clubbesitzer tätige Russel Bermville. Seit diesem Tag läuft im 124pages kein Hiphop mehr. Ob es im Afrikanerviertel jedoch so klug war, die Musikrichtung auf politisch nicht unbedingt korrekte Interpreten zu beschränken, sei dahingestellt. Seltsamerweise, sagt er, hätten sich vor allem die Häufigkeiten von Glasschäden und brennenden Gegenständen vor der Haustür merklich vergrößert.

“Seit der Umstellung kommen nur noch zipfelmützige und Menschen ohne Haare in meinen Club. Ich wusste garnicht, dass so viele Leute in unserer Stadt hier an Leukämie leiden. Die einen schämen sich für ihre Glatze und haben sich weiße Mützen in Einheitsfarbe gekauft. Genauso wie die Kostüme… Schön, dass sie eine Einheit bilden. Sie tun mir trotzdem Leid. Aber hier bekommen die armen Wesen ihren Spaß, auch wenn sich auf der Tanzfläche nur noch seltsame, sich auf allen Vieren bewegende, junge Frauen mit tiefen Augenringen Spritzen geben. Ich halte immer etwas Insulin bereit, um den Diabetikern im Falle des Falles helfen zu können – aber die haben ja alles in Pulverform dabei”,

äußert sich der mittlerweile 29jährige. Regelmäßige Razzien und Polizeibesuche ignoriert er unter dem Hinweis, dass er mit Nazis und Drogen nichts am Hut habe. Unserem Team erklärt er, dass sich tagsüber meist Demonstranten vor dem Club befänden, die Plakate gegen Rassismus im Kreis tragen würden. Er gibt an, sich gern an den Demonstrationen beteiligen zu wollen; doch leider öffne sein Tanzlokal erst um 21.00 Uhr und sie “müssen auch akzeptieren, dass ich irgendwann schlafen will”.
“Doch auch überhaupt hat sich viel getan”, sagt Bermville. “Ich habe zwei neue Freunde, die zwar nicht arbeiten aber trotzdem voll okay sind. Sie dürften eh gleich kommen”

Kurz darauf klingelt es, Russel öffnet. Die beiden Herren stellen sich als Ivan und Joe vor, sie erwecken einen seltsamen Eindruck. Einen Eindruck von Perspektivlosigkeit, trotz allem aber auch von Lebensfreude.
“Wir behandeln einander immer gleich, Mann. Das ist der Kodex, Alter! Schlag ein, Ive”, dröhnt es aus dem Mund des scheinbar betrunkenen Joe. Doch Ivan scheint anderweitig beschäftigt, als wir ihn von Russels Aquarium zu lösen versuchen. “Ivan! Komm’ endlich her jetzt.. Und nimm’ endlich diesen roten Ball aus Deinem Mund, bevor diese Anzugschwänze noch falsche Bilder von uns bekommen”
Doch der Ball ist nur die Spitze des Eisberges, der sich beim Anblick der Männer offenbart. Allein ihre Duftmarke lässt darauf schließen, dass sie sich auf eine Karriere als erstes menschliches Biotop spezialisiert haben. Von der Lack- und Lederbekleidung Ivans und den zerrissenen Lumpen Joes einmal abgesehen.
“He Rus, wer is’n das’n”, fragt Ivan und wir stellen uns als Redakteure einer örtlichen Zeitschrift vor. “Gut, Leute, aber nicht mit mir! Ich werde durch die Wand flüchten, die Türen sind zu unsicher!”
Es kracht, der 20jährige liegt bewusstlos am Boden. Wir wenden uns wieder Joe zu und fragen ihn, was zu diesem Verhalten führe.

“Das hat er manchmal, wenn er neue Leute sieht. Seit er kürzlich von den Drogen runter ist dreht er ‘n bisschen am Rad”,

erläutert Ivan.

Russel hat sich derweile seinem Küchenfenster zugewandt, aus welchem er auf die Straße starrt. Die Demonstranten, die vor Minuten noch ihre Runden auf dem Parkplatz drehten, sind großen Vans gewichen, aus welchen jede Menge zwielichtiger Gestalten aussteigen.

“Das ist mein Stichwort, ich muss los – geht jetzt bitte, dort lang ist die Hintertür.”

Anmerkung: Diese Geschichte beruht nicht auf einer wahren Begebenheit! Bevor noch jemand falsche Vorstellungen bekommt xD

24. Februar 2009, 14:48 Uhr

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