Nachdem ja innerhalb der letzten Monate ziemliche Ruhe eingetreten ist, will ich mich mal wieder nebenbei bei allen Lesern entschuldigen. Es hat einfach nicht sollen sein, und mein Leben ist einfach nicht interessant genug, als dass ich oft was schreiben könnte. Oder ich hab’ einfach keine Zeit, keine Lust, … die üblichen Ausreden halt
Nun ja, auf jeden Fall durfte ich neulich wieder einmal was erleben, was mich eigentlich noch länger beschäftigen könnte.
Der Tag verlief wie jeder andere Montag, also etwas zäh und ermüdend. Umso froher war ich dann, als ich um kurz nach 16.00 Uhr aus der Firma ging und -nach einem kleinen Plausch mit einem Bekannten- ins Auto stieg, um nach Hause zu fahren. Da mein Arbeitsweg mit 4,5km (Google Maps) relativ kurz ist, passiert ja nicht viel.
Dachte ich.
Ich fuhr also in meinem antrainierten Automatismus durch Miesbach und bereitete mich auf den Sprint vor, den ich ab dem Ortsschild je nach Verkehrslage gerne mal veranstalte (viele sehen einem so kleinen Puma nicht den Schmalz an, den er hat). Das heißt für mich: 3. Gang einlegen und auf die Grenze warten. Ab der Ortsgrenze dann drauftreten und wegzischen, dabei belächeln, wie die Hintermänner zurückbleiben. Diesmal sollte ein BMW 5er hinter mir “stehenbleiben”, welcher dann nach dem kurzen Sprint wieder aufholen würde, um mir und dem Straßenverlauf unauffällig zu folgen.
Dachte ich.
Da der gute Herr, der übrigens ein Münchner Kennzeichen besitzt (Klischees sagen, dass Münchner ihre Fahrerlaubnis in der Regel im Lotto gewonnen zu haben scheinen), ja ein durchaus tolles Auto fährt, welches mit seinen Standlichtringen wohl gerne Brandings in meinen Pumaarsch brennen würde, fing er offensichtlich an, ungeduldig zu werden. Geschwindigkeit zu dem Zeitpunkt: 80Km/h, da ich bei meinem Sprint bemerkt hatte, dass sich vor mir zwei Schleicher befanden, die mit 80 Sachen auf der B307 in Richtung Agatharied dahinschlichen. Also passte ich meine Geschwindigkeit an und folgte unter der Beachtung eines richtigen Abstandes zu meinem Vordermann dem Verkehrsverlauf. Jeder hinter mir würde das gleiche tun.
Dachte ich.
Der Münchner allerdings nicht, zumindest schien er sich nicht dazu eingeladen zu fühlen. Denn jetzt fuhr er andere Geschütze auf. In der Hoffnung, dass er mir Beine machen könnte, klebte er sich an meine Stoßstange. Geschätzter Abstand (im Rückspiegel weder Kennzeichen noch Lichter(!!) sichtbar): 2 Meter. Wer mich kennt weiß, dass ich sowas nicht gerne mag. Also drücke ich mit meinem Fuß gefühlvoll aufs Bremspedal, bis die Bremslichter angehen. Der gemeine Drängler wird dadurch abgeschreckt, legt selbst einen Zwischenstopp auf dem Bremspedal ein.
Dachte ich.
Mein Drängler jedoch nutzte die Chance, um sich wild gestikulierend noch etwas aufzubäumen. Also beschloss ich, selbst einen Gang hochzuschalten, indem ich eine deutliche Bremsung vollführte. Es folgte eine Lichthupe seitens meines neuen Klienten und eine starke Bremsung seines Wagens. Endlich konnte ich erkennen, dass sein Kennzeichen mit “M” begann, was mir den Sachverhalt aufgrund des genannten Klischees etwas verdeutlichte. Einmal bremsen ist bestimmt genug.
Dachte ich.
Nicht aber meinem Drängler. Erneut fuhr er erschreckend nah auf, was in mir eine erneute Kurzschlussreaktion erzeugte. Ich stieg also nochmal in die Eisen, nachdem ich ihn etwas drängeln ließ. Wieder wurde er wild. Das befriedigte mich nicht, denn sein Abstand zu mir wurde immer geringer. Man notiere: Wir fuhren immernoch 80km/h, ich wechselte meine Blicke nur noch vom Vordermann zum Rückspiegel und von dort aus auf die Tachonadel.
Am Ortseingang bremste ich dann fest auf meine 50km/h ab, was dazu führte, dass mein BMW-5er-Fahrer links neben mir über insgesamt rund 5 durchgezogene Linien auf eine Abbiegespur zum Krankenhaus wechselte, mich dann überholte und mir die Fahrbahn schnitt. Und zwar nicht ein bisschen, sondern so, dass ich bremsen musste, um seinen großartigen Bayrischen M.-Wagen nicht zu beschädigen. Nun bremste er mich auf ca. 40km/h herunter und zeigte fortan nach rechts, um mir zu zeigen, dass ich in Gottes Namen rechts ranfahren sollte. Ich symbolisierte ihm durch das Setzen meines rechten Blinkers die Bereitschaft zur Konfrontation, welche ich dann in der nächsten Einfahrt praktizierte.
“Sagen Sie mal was soll dieser Scheiß eigentlich?”, fragte mich der aufgebrachte Münchner, “Ist Ihnen eigentlich klar, dass das dem Tatbestand der Nötigung entspricht, was Sie da machen?”
Ich setzte einen etwas verdutzten Blick auf und stellte die Gegenfrage: “Das was Sie machen nicht, oder?”
“Was mache ich denn?”
“Tierisch nah auffahren! Wir waren mit 80km/h unterwegs, Ihr Abstand zu mir war alles andere als ok. Stellen Sie sich vor, es wäre was passiert…”, entgegnete ich.
Er erwiderte darauf, dass ja nichts passiert sei und das noch lange kein Grund sei, warum ich “zwei Notbremsungen hinlegen” würde. Bevor er dann nach viel vorgetäuschter Einsicht wieder in seinen Fünfer stieg hob er den Finger zu einer Tadelgeste und sagte: “Passen Sie lieber auf, Freundchen. Nochmal kommen Sie nicht so davon.”
Am liebsten wäre ich allein schon dafür zur Polizei gefahren, die ja eigentlich unser Freund und Helfer sein sollte. Dort ist man aber der Meinung, dass zur Erstattung der Anzeige hieb- und stichfeste Beweise vorliegen müssen. Persönliche Belange zählen dort nicht, mitanwesende Zeugen sind genauso uninteressant wie der Fakt, dass man im Prinzip dabei helfen will, den Verkehrsalltag zu verbessern.
Und so kommt es, dass die Hände unserer Beamten verkümmern, die Münder verstummen und die Bäuche wachsen, wenn über den Polizeifunk eine Konversation des folgenden Schemas übertragen wird, wie hier im Beispiel einer mir bekannten Polizeidirektion:
“[Fahrzeugbezeichnung]: Wir sind gerade in Weyarn. Wieviele LKW’s werden benötigt?”
“[Dienststelle]: Wir brauchen drei LKW’s zu schnellstmöglichen Nutzung.”
Was folgt ist ein Gang zum Metzger und der Sprint zur Dienststelle, um dort jeden Hunger zu bekämpfen.